FAQ & Glossar

Häufige Fragen zur Folientechnik.

Verfahren, Wertschöpfung, Messtechnik und Zusammenarbeit – kompakt erklärt aus 30 Jahren Praxis in der Kunststofffolienindustrie. Klicken Sie ein Thema an oder öffnen Sie die einzelnen Fragen.

Verfahren

Kalandrieren

Beim Kalandrieren wird eine plastifizierte Polymermasse (typisch PVC, aber auch PET, PP oder Gummi) zwischen beheizten Walzen zu einer Folie ausgewalzt. Kalander gibt es mit drei bis fünf Walzen in I-, Z-, F- oder L-Form. Typische Foliendicken liegen zwischen etwa 50 und 800 µm, Arbeitsbreiten bis über zwei Meter.

Wofür wird kalandrierte Folie eingesetzt?

Für Verpackungsfolien (z. B. Blister für Pharma und Lebensmittel), Bau- und Technikfolien (Dachbahnen, Bodenbeläge, Möbelfolien), Kreditkarten, Druck- und Werbefolien. Das Verfahren liefert sehr gleichmäßige Dicken bei hohem Durchsatz und ist für Hart- und Weich-PVC das dominierende Verfahren.

Welche Stellgrößen bestimmen die Dickenverteilung?

Walzenspalt, Walzentemperaturen, Walzendrehzahlen und -friktion, Roll-Bending (Walzendurchbiegungs-Kompensation) und Schrägverstellung (Roll-Crossing) der Walzen. Dazu kommen Rheologie und Temperatur der Masse, Knet- und Wulstgröße im Spalt. Unser Modell berechnet daraus mittlere Foliendicke, auskalandrierte Breite, Durchsatz und die optimalen Roll-Bending- und Schrägverstellungswerte für minimale Dickentoleranz.

Wie hilft Kohlert Consulting beim Kalander?

Verfahrensanalyse an Ihrer Linie, Optimierung von Umstellzeiten und Dickenprofil, Auswahl und Integration der Messtechnik (Dicke, Glanz, Farbe, Oberfläche, Schrumpf) sowie Training der Kalanderfahrer – auf Wunsch mit der VR-Brille zur Kalandertechnologie, ohne die produzierende Anlage zu belegen.

Extrudieren

Bei der Flachfolien-Extrusion (Cast-Film) wird das Polymer im Extruder aufgeschmolzen, durch eine Breitschlitzdüse ausgetragen und auf Kühlwalzen (Chill-Roll) abgekühlt. Verbreitet für PET, PP, PE, PS und Mehrschichtfolien (Coextrusion).

Wo liegen die typischen Prozessprobleme?

Dickenschwankungen in Quer- und Längsrichtung (Düsenlippe, Schmelzepulsation, Kühlwalzen-Rundlauf), Gel- und Stippenbildung, Oberflächendefekte, Farbabweichungen bei Flüssigfarbdosierung sowie Schrumpf und Verzug bei der Weiterverarbeitung. Viele dieser Ursachen lassen sich mit Inline-Messtechnik direkt der Anlage zuordnen.

Was ist Flüssigfarbdosierung im Extruder?

Statt Masterbatch-Granulat wird flüssige Farbe direkt in den Extruder dosiert. Vorteile: schnelle Farbwechsel, geringere Lagerhaltung, feinere Farbabstufung. Wir haben Dosier- und Messkonzepte entwickelt, die den Farbwert inline überwachen und die Dosierung stabil halten.

Kann das Kalander-Modell auch für Extrusionslinien genutzt werden?

Die Grundgleichungen (Massenbilanz, Impulsgleichung, Wärmebilanz, rheologische Zustandsfunktion) sind dieselben. Für Abkühlprozess, Folienschrumpf und Tiefziehen existieren eigene Modelle, die wir an Ihre Linie anpassen.

Blasfolie

Bei der Blasfolien-Extrusion wird die Schmelze durch eine Ringdüse zu einem Schlauch geformt, mit Luft aufgeblasen, gekühlt, flachgelegt und aufgewickelt. Typisch für PE-Verpackungs- und Agrarfolien, Schrumpf- und Stretchfolien sowie Mehrschicht-Barrierefolien.

Welche Qualitätsmerkmale sind bei Blasfolie entscheidend?

Dickenprofil über den Umfang, Schrumpf in Längs- und Querrichtung, optische Eigenschaften (Trübung, Glanz), Reißfestigkeit, Siegelfähigkeit und die Wickelqualität. Die Dickenverteilung ist wegen der Rotation von Düse oder Abzug besonders anspruchsvoll zu messen.

Wie wird Schrumpf gemessen und bewertet?

Offline über Schrumpf- und Schrumpfkraftmessung an Musterstreifen unter definierter Temperatur; inline über Bahnspannungs- und Breitenmessung. Wir bieten beide Ansätze an und verknüpfen die Ergebnisse mit den Linienparametern.

Beraten Sie auch bei Blasfolienlinien?

Ja. Die 30 Jahre Branchenerfahrung umfassen Kalandrieren, Extrudieren und Blasfolie – von der Verfahrensanalyse über die Messtechnik bis zur Reklamationsminderung.

Wertschöpfung

Herstellung

Die Folienherstellung umfasst Rohstoffaufbereitung (Compoundieren, Dosieren), Plastifizieren, Formgebung (Kalander, Breitschlitz- oder Ringdüse), Abkühlung, Dickenregelung und Aufwicklung.

Wie wird die Qualität des Rohmaterials bewertet?

Über Offline-Prüfungen wie Reststabilität (thermische Belastbarkeit des Polymers), Rheologie, Feuchte und Farbwert. Unsere Reststabilitätsmessung prüft bis zu fünf Muster gleichzeitig im Thermoschrank und bewertet die Schädigung per Farbkamera – ideal, um Stabilisatorgehalte zu optimieren.

Was bringt die Messung des Längsdickenverlaufs?

Dickenschwankungen in Laufrichtung verraten Rundlauffehler und sich anbahnende Lagerschäden einzelner Walzen. Mit Fourieranalyse ordnen wir die Schwankung Drehzahl und Walzendurchmesser zu – die Basis für vorbeugende Instandhaltung statt ungeplanter Stillstände.

Verarbeitung

Folienverarbeitung bedeutet Schneiden, Stanzen, Tiefziehen (Thermoformen), Laminieren, Bedrucken und Konfektionieren – Schritte, in denen sich Fehler aus der Herstellung erst bemerkbar machen.

Warum entstehen Reklamationen oft erst beim Verarbeiter?

Weil Eigenschaften wie Schrumpf, Reststabilität, Dickentoleranz oder Oberflächenspannung erst unter Temperatur, Zug oder Druck sichtbar werden. Eine durchgängige Datenverknüpfung von Herstellung und Verarbeitung (Charge, Linienparameter, Messwerte) macht Ursachen nachvollziehbar.

Können Sie Tiefziehprozesse simulieren?

Ja. Unsere Modelle für Abkühl- und Tiefziehprozess berechnen Wanddickenverteilung und Verzug aus Folien- und Prozessparametern – zur Auslegung von Formaten und zur Bewertung von Materialalternativen, bevor Werkzeuge gebaut werden.

Veredelung

Veredelung verleiht der Folie zusätzliche Eigenschaften: Beschichtung, Prägung, Metallisierung, Bedruckung, Corona- oder Plasmabehandlung sowie funktionale Oberflächen mit Nanotechnologie.

Was leistet Nanotechnologie auf Kunststofffolien?

Über Sol-Gel-Technologie und Aufspritzen mit IR-Trocknung entstehen Oberflächen, die antimikrobiell, leitfähig, kratzfest oder gezielt besser bzw. schlechter bedruckbar sind – Eigenschaften, die die Folie allein nicht mitbringt. Entwickelt in Zusammenarbeit mit Klöckner Pentaplast.

Wie lassen sich Produktfälschungen erkennen?

Mit einem System zum Schutz vor Produktfälschungen, das eindeutige, maschinell prüfbare Merkmale in Folie oder Verpackung einbringt und ausliest. Entwickelt gemeinsam mit der TU St. Petersburg.

Wie werden Glanz und Farbe geprüft?

Inline über Glanz- und Farbwertmessung direkt an der Bahn, offline im Labor an Mustern. Beide Werte werden mit den Prozessparametern verknüpft, um Abweichungen der Ursache zuzuordnen.

Messtechnik & Digitalisierung

Inline-Messtechnik

Messung direkt in der Fertigungslinie, während die Folie läuft: Dicke, Glanz, Farbwert, Oberflächendefekte, Füllstand, Lagerzustand und Schrumpf. Die Messdaten unterstützen den Anlagenführer in Echtzeit.

Welche Messgrößen lassen sich inline erfassen?

Dickenprofil (quer und längs), Glanz, Farbwert, Oberflächendetektion (Gels, Kratzer, Löcher), Füllstandsauswertung im Knet oder Wulst, Bahnbreite, Schrumpf über Bahnspannung sowie Lagerüberwachung an Walzen und Antrieben. Details auf der Seite Inline-Messtechnik.

Wie werden Messdaten in die Steuerung integriert?

Über Standard-Schnittstellen (OPC UA, Feldbus, Datenbank/REST). Wir verknüpfen Messdaten mit Steuerungsdaten der Maschine, Qualitätsdaten aus dem Labor und Auftragsdaten aus dem ERP – siehe Industrie 4.0.

Lohnt sich Inline-Messtechnik auch für kleinere Linien?

Meist ja: Schon eine einzelne Messgröße (z. B. Längsdicke oder Lagerzustand) reduziert Ausschuss und Reklamationen spürbar. Wir prüfen mit Ihnen, welche Größe den größten Hebel hat, bevor investiert wird.

Offline-Messtechnik

Laborgestützte Bewertung außerhalb der Linie – für Rohmaterialien, Folienverläufe, Formate und Endprodukte. Ideal für nachträgliche Analysen und Reklamationsminderung.

Welche Prüfungen bieten Sie offline an?

Bewertung von Kunststoffrohmaterialien, Längsdickenverlauf, Reststabilität, Kratzfestigkeit, Dimensionserfassung von Formaten sowie Schrumpf- und Schrumpfkraftmessung. Details auf der Seite Offline-Messtechnik.

Wie werden Offline-Ergebnisse mit der Produktion verknüpft?

Jedes Muster wird Charge, Rolle und Linienzustand zugeordnet. So lassen sich Laborergebnisse mit Prozessparametern korrelieren und Reklamationsursachen belastbar nachweisen.

Industrie 4.0

Industrie 4.0 heißt in der Folienproduktion: Messdaten, Maschinensteuerung, Labor und ERP sprechen miteinander. Erst der Verbund macht aus Messwerten Entscheidungsgrundlagen.

Was ist der konkrete Nutzen für einen Folienhersteller?

Stabile Prozessparameter, weniger Reklamationen, vorbeugende Instandhaltung, nachvollziehbare Qualität je Rolle und Charge sowie schnellere Umstellungen. Die Daten liegen meist schon vor – sie werden nur nicht verknüpft.

Muss dafür die gesamte Anlage erneuert werden?

Nein. Wir setzen auf bestehende Steuerungen und Messsysteme auf und ergänzen Schnittstellen und Auswertung schrittweise. Der Einstieg gelingt mit einer Linie und einer Messgröße.

Wie steht es um Datensicherheit und Datenhoheit?

Die Daten bleiben in Ihrem Netz. Lösungen wie WARDEN laufen im lokalen Netz und sind per Webbrowser erreichbar; ein Internetzugang ist optional.

Predictive Maintenance

Vorausschauende Instandhaltung erkennt Anlagenausfälle, bevor sie passieren – aus Schwingungs-, Dicken- und Prozessdaten.

Was ist WARDEN?

Ein Werkzeug zur Vorhersage von Anlagenausfällen und zur Identifikation möglicher Ursachen: drei Alarmstufen, WLAN-Kommunikation zwischen den Geräten, Datenansicht online und aus dem Archiv – auf jedem Gerät mit Webbrowser.

Wie erkennt man Lagerschäden an Walzen frühzeitig?

Über Lagerüberwachung (Schwingung, Temperatur) und über den Längsdickenverlauf der Folie: Periodische Dickenschwankungen, die zu Drehzahl und Durchmesser einer Walze passen, weisen auf Rundlauffehler oder beginnende Lagerschäden hin.

Simulation & Modellierung

Physikalische Modelle berechnen Strömung, Druck, Temperatur und Durchsatz im Walzenspalt und in der Düse – für Prozessoptimierung und Training ohne Belegung der Produktionsanlage.

Welche Ergebnisse liefert das Kalander-Modell?

Mittlere kalandrierte Foliendicke, auskalandrierte Breite je Walze, zu erwartender Durchsatz, Folienschrumpf in Längs- und Querrichtung sowie die optimalen Werte für Roll-Bending und Schrägverstellung bei minimaler Dickentoleranz.

Wie funktioniert das Training mit der VR-Brille?

Die Bilder der eigenen Kalanderlinie werden in die VR-Brille geladen; Daten werden direkt in der VR-Umgebung eingegeben, das Modell zeigt das Kalandrierergebnis. Neue Kalanderfahrer üben Umstellungen und Optimierungen, ohne die produzierende Anlage zu nutzen. Projektbeschreibung als PDF.

Gibt es auch 3D-Simulation?

Ja, die Linie wird als 3D-Modell abgebildet – zur Visualisierung von Messstellen, Folienlauf und Umstellungen sowie als Basis für die VR-Anwendung.

Zusammenarbeit

Zusammenarbeit mit Kohlert Consulting

Von der ersten Einschätzung bis zur Implementierung in Ihrer Produktion – mit einem klaren Fahrplan und messbaren Ergebnissen.

Wie läuft ein Projekt typischerweise ab?

1. Kurzes Gespräch zur Aufgabenstellung. 2. Analyse vor Ort an Ihrer Linie (Prozessparameter, Messstellen, Qualitäts- und Reklamationsdaten). 3. Konzept mit Stellhebeln, Messtechnik und Aufwand. 4. Entwicklung, Modellierung und Test. 5. Implementierung, Schulung der Anlagenführer und Verankerung in Ihren Systemen.

Für welche Unternehmen arbeiten Sie?

Für Hersteller, Verarbeiter und Veredler von Kunststofffolien sowie für Anlagen- und Messtechnikbauer – vom Mittelstand bis zum Konzern, im deutschsprachigen Raum und international (Deutsch, Englisch, Russisch).

Wer sind Ihre Partner?

Langjährige Forschungspartnerschaft mit der Technischen Universität St. Petersburg (Prof. Dr. T. B. Chistyakova), Industrieprojekte mit Klöckner Pentaplast und MFS, Fachbücher im Hanser Verlag. Mehr unter Referenzen und Publikationen.

Wie ist die Vergütung geregelt?

Nach Aufwand (Tagessätze) oder als Projektpauschale mit definierten Ergebnissen. Grundlage sind unsere Verkaufs-, Lieferungs- und Zahlungsbedingungen. Das erste Gespräch ist unverbindlich.

Wie nehme ich Kontakt auf?

Telefonisch unter +49 (0) 170 9188587, per E-Mail an info@kohlert-consulting.de oder über das Kontaktformular.

Ihre Frage war nicht dabei?

Wir beantworten sie gern persönlich – unverbindlich und auf Ihre Linie bezogen.

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